Ewige Wand und Rettenbach Tal

🚴Truppe - Günther, Sepp, Johann , Fredi K, Alfred, Ernst, Dietmar, Manfred, Helmut Max, und Gerhard
Datum - 22.Juli 2026 ☀️ 21°C
🕙 Abfahrt - Mittwoch 9:00h 
Länge - 61 km _Höhenmeter - 1178 Hm
Zeit - 6 Stunden
🍽️ 🍻 - Lippenbauern Hütte 
Konditionen - 🌑🌑🌑
Können        - 🌑🌑🌑🌑
Heute wartet auf uns das eigentliche Highlight unserer dreitägigen Reise. Wir brechen nach dem Frühstück gestärkt auf, hinauf Richtung ewige Wand. Leider sinkt die Vorfreude kurz in sich zusammen, nur zu acht sind wir, denn Manfreds Akku-Ladegerät versagt seinen Dienst. Er kommt später nach und bis dahin radeln wir zuversichtlich los.
Wir rollen in ein Waldgebiet und plötzlich legt sich Dunkelheit über uns, schwer und still, wie ein Mantel. Der Pfad führt uns über schwieriges Terrain hinüber zur Wand. Dann öffnet sich der Blick, die Sonne trifft die steile, senkrechte Flanke, und mitten darin schneidet sich ein schmaler Weg durch den Fels. Wir lassen uns hineinrollen, in dieses in den Berg gehauene Band aus Stein und Herausforderung. Kaum zu glauben, wir radeln hunderte Meter über den Häusern dahin, rechts die schroffe, karge Wand, links der Abgrund, nur durch ein paar Seile von der Tiefe getrennt. Jeder Meter fühlt sich an wie ein Versprechen, dass man DAS heute wirklich erlebt.
Weiter geht’s wieder in den Berg hinein, ein Tunnel, dunkel, dann vorne dieses helle Tageslicht und kaum sind wir draußen, verlieren wir uns kurz im Staunen, so eine grandiose Aussicht. Max zählt uns sämtliche Gipfel auf und während seine Stimme durch die Luft wandert, zeigt er hinunter, dorthin, wo Hubert von Goisern sein Haus stehen hat. Der Aussichtsmoment ist groß, aber unsere Route kennt keine langen Pausen, es folgt eine kurze Schiebe-Passage und man spürt förmlich, wie am Wochenende die Profi-MTB-Radler hier mit voller Geschwindigkeit hinunterstürmten.
Danach führt uns der Weg auf einer wunderschönen Forststraße am Hang entlang, erst zügig, dann immer steiler hinunter bis nach Bad Ischl. Durch die Kurstadt gleiten wir gemächlich, etwa sieben Stundenkilometer im eigenen Rhythmus und doch bleibt bei manchen noch ein Rest vom gestrigen Abend hängen, ein paar Genussradler kommen langsamer in den Tag hinein und fahren weit hinterher. Gemeinsam starten wir aber dann in Richtung Rettenbach-Tal.
Ganz am Anfang schenkt uns Max ein Naturjuwel, wie aus einem Bilderbuch, die Rettenbachklamm. Wir wandern ein Stück am Weg entlang zur Hängebrücke und darunter rauscht der Bach, nicht nur hörbar, sondern sichtbar wie er sich in seinen atemberaubendes Bachbett hinabwindet. Oben glitzert ein kleiner Wasserfall und weiter unten fließt der Bach glasklar durch tief in den Stein gespülte Becken, als hätte die Natur dort ihre feinste Handarbeit hinterlassen.
Zurück auf die Räder, wir fahren das Schotterstraßerl weiter hinauf. Neben uns der Bach, zwischen hohen Felswänden geführt, stetig ansteigend. Nicht zu heftig, aber anstrengend, diese Sorte Anstieg, bei der man spürt, wie jeder Tritt kurz mit dem eigenen Körper verhandelt. Ein Auto kommt entgegen und die Straße verwandelt sich augenblicklich in eine Staubglocke, die sich über uns auftürmt. Das Tal öffnet sich dann wieder, saftige Wiesen ziehen sich bis zu den Waldhängen und während wir uns an der Landschaft sattsehen, sucht man vergeblich nach Rindern, auf der Rettenbachalm scheinen sie gerade nicht zu wohnen. Schade um das fehlende Bild, aber die Stimmung bleibt.
Schon grüßt uns eine lieblich wirkende Almhütte, klein und wie ein Einzelstück, die Lippenbauern Alm. Es erwartet uns eine gemütliche Atmosphäre und eine ausgesprochen freundliche Bedienung und vor allem eine Gourmetjause, die sich wie ein kleines Fest anfühlt. Wir genießen den Stopp im Sonnenlicht, bevor wir wieder aufbrechen.
Am Anfang rollt es noch relativ bequem über festen Schotter. Bald aber ändert sich alles, der Weg wird steinig und wild, der Rettenbach fließt zwar neben uns, doch der Boden fällt oft viele Meter steil hinab ins felsige Flussbett. Es fühlt sich an, als würde Ich jeden Meter nach unten zählen. Manche schwindelt es vor Staub und Höhe, andere starren kurz nach vorn, weil sie wissen, jetzt ist Konzentration gefragt. Todesmutige Radler stürzen sich mit halsbrecherischer Geschwindigkeit ins Tal und wir schauen staunend hinterher, während sich unsere eigenen Räder hinauf kämpften 
Der Weg wird zunehmend schwieriger. Nach dem letzten heftigeren Anstieg geht es dann wieder ruhiger dahin, gemütlich zur Blaa Alm. Dort ist wirklich viel los, ein Menschenauflauf nicht nur aus Radlern, sondern auch aus Besuchern, die mit dem Auto hinaufgefahren sind. Der Großteil unserer Truppe kehrt ohne Einkehr um und nehmen den schwierigen Rückweg, weil die Route auch zurück ein eigenes Abenteuer ist.
Über Stock und Stein geht’s, durch kurze Tunnel, vorbei an hoch aufragenden Felsen und stets begleitet vom Bach, der sich mit jeder Kurve neu erfindet. Schließlich sind wir heilfroh unten auf der Rettenbach Alm angekommen. Ein Teil unserer Gruppe gönnt sich noch ein Getränk auf der Blaa Alm und nach einer endlos wirkenden Wartezeit knallt Max die Strecke herunter. Wenig später folgen Johann und Manfred und dann startet unsere letzte Etappe. Wir fahren den Radweg R2 bis nach Goisern. In Bad Ischl schieben wir unsere Räder ein kurzes Stück vorbei beim Zauner, wo Hochbetrieb herrscht und dann rollen wir auf wunderbaren Wegerl Richtung Goisern weiter. Nach einem kurzen Diagnose-Stopp geht’s schließlich noch einmal den steilen Berg hinauf, zu unserem tollen Ferienhaus. Nach der Körperpflege ist es Zeit für die Rathlucka und für Kasnockn. Ein Gedicht, köstlich, sättigend und vor allem passend wie ein Schlussakkord.
Und dann wird es Zeit, Danke zu sagen.

Danke an Max für die traumhaften Routen und die vielen Highlights, die du uns immer wieder gezeigt hast. Du hast uns nicht nur Wege geplant, sondern auch Türen geöffnet, wunderbare Gaststätten und liebliche Almen ausgesucht, in denen wir Spezialitäten genießen durften, als wären sie extra für uns erfunden. Danke auch für die Runde, die du uns in der Rathlucka spendiert hast.

Johann, Ernst und Helmut, euch natürlich auch ein herrliches Dankeschön für die Getränke-Runde. Sepp und Johann ein wirkliches Danke für eure Chauffeurdienste. Manfred, ein Dankeschön für die Burenwurstjause. Und an alle, danke für sämtliche Mitbringsel und Getränke. Vor allem aber ein letztes herzliches Dankeschön an die Genussradler-Truppe, für die wunderschönen Tage miteinander, für viele Stunden Spaß, für dieses gute Gefühl, dass wir gemeinsam unterwegs waren. Und ja, Danke, fürs Wetter und dass sich niemand ernsthaft verletzt hat.

Adieu Goisern.
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