Er und Sie Ausfahrt zum Johannes Brunnen

🚴Truppe - Günther und Heidi, Sepp und Heidi, Gerhard
Datum - 18.Juli 2026 ☀️ 26°C
🕙 Abfahrt - Samstag 9:00h 
Länge - 63 km _Höhenmeter - 1334 Hm
Zeit - 5 Stunden
🍽️ 🍻 - Haunschmid 
Konditionen - 🌑🌑🌑
Können        - 🌑🌑🌑
Nachdem die gestrige Abstimmung zur Radtour wegen der schlechten Wetterprognose negativ ausfiel, hatte ich heute trotzdem ein Kribbeln in den Beinen, eigentlich will ich fahren. Und so machte ich mich am Vormittag auf, mit Günther, Sepp und zwei Heidis die Tour zu radeln. Der Tag begann um 9 Uhr an der Kreuzung Lehermayr-Thal und obwohl der Himmel leicht bewölkt war, lachte die Sonne uns aus den Wolken heraus freundlich an.
Wir nahmen Kurs zum Stranzberg. Der Weg ging spürbar nach oben und doch hatte alles etwas Lockeres, die Luft war frisch, die Räder rollten gleichmäßig und unsere zwei Heidis hatten bereits die ersten Geschichten im Gepäck. So wurde der Anstieg nach Tragwein fast zu einem gemütlichen Plauderritt, ohne Hast, mit diesem Gefühl, dass man genau zur richtigen Zeit unterwegs ist. In Tragwein ließen wir dann die Räder laufen, hinunter zum Kettenbach. Aber schon am Hennberg ging es wieder bergauf und während wir die Kurve nach oben nahmen, fragte sich Sepp, warum heute nicht noch das ein oder andere Paar mit dabei sei wollte. Er hatte Recht, es war ein Radltag, wie man ihn sich wünscht, tolles Wetter, schöne Landschaft, guter Rhythmus und kein Verkehr, jeder Kilometer fühlte sich irgendwie stimmig an. Weiter ging es mit einem herrlichen Blick hinüber nach Rechberg, jetzt geht's zuerst aber hinunter in Richtung Brawinkl.
Einige Wanderer kreuzten unseren Weg, und am Bogenparkur tummelten sich Schützen, ein kurzes Winken in die Welt, die neben dem Radweg stattfindet. Auf schmalen Straßen ging es am Zell Hof vorbei, weiter Richtung Wagenlehnergut, wo uns die Geschichte für einen Moment den Atem anhalten ließ. Mit Magdalena Grillenberger endete dort einer der letzten Hexenprozesse in Oberösterreich ,tragisch, grausam, unbegreiflich. Magdalena wurde mit ihren sieben Kindern hingerichtet. Wir radelten weiter, damit dieser Abschnitt nicht in uns stecken bleibt und trübe Gedanken hinterlässt. Doch danach kam wieder das, wofür man draußen ist, wir nahmen den Ellerberg in Angriff und eine tolle Abfahrt führte uns hinunter ins Tal der kleinen Naarn. Der Bach, eher zart im Vergleich zu anderen Flüssen unserer Gegend, führte relativ wenig Wasser. Trotzdem, wenn er über moosbewachsene Steine fließt, hört man ihn deutlich. Dieses leise Gurgeln, dieses Naturgeräusch, das sich in den Fahrtwind mischt.
Ein paar Häuser schienen wie Nester in den Hängen zu hängen, dicht ans Flussufer gestellt. Wir folgten dem geschlungenen Weg weiter bachbegleitend und machten schließlich eine kurze Rast beim Irxenmayr. Dort beginnt der Johannesweg, initiiert von Dr. Johannes Neuhofer. Wir besuchten den Johannesbrunnen und die Engelskapelle. Für einen Moment blieb dieses ruhige Gefühl, als würde man an einem Ort stehen, an dem Gedanken von selbst langsamer werden. Wir verließen den Kraftplatz wieder und radelten den Höfnerberg noch ein Stück hinauf. Dort bot sich ein wunderbarer Blick auf St. Thomas und auf die traumhafte Mühlviertler Hügelwelt. Mit dieser Aussicht im Kopf machten wir uns auf den Weg ins Tal der großen Naarn. Ein Bauer arbeitete auf seiner frisch gemähten Wiese, ansonsten wirkte es fast ausgestorben. Wunderschön, gerade für jene, die die Einsamkeit lieben.
Im Mühlental folgten wir dem Flusslauf auf herrlichen Feld- und Wiesenwegen, bis schließlich der Anstieg in den Meiselberg begann. Die Serpentinen schlangen sich in den Berg und während wir uns Stück für Stück nach oben arbeiteten, lagen Kühe ganz gemütlich in der warmen Sonne und beobachteten unsere Kletterei. Atemberaubend war der Blick hinunter, ein endlos wirkender Wiesenhang rollte sich den Berg hinab und wir waren überrascht, wie viele Höhenmeter wir schon geschafft hatten.
Nach der Biegung erwartete uns noch ein weiterer Kraftstein, der Elefantenstein. Und schon ging unsere Reise weiter zum nächsten schönen Platz oberhalb von Rechberg, zur Pammerhöhe. Diese rund 5000 m² große Gelände-Kuppel tritt durch ihre besondere Vegetation und die landschaftsprägende Gesteinsformation deutlich in Erscheinung. Wir blieben kurz stehen, ließen den Blick schweifen, betrachteten die Umgebung, bis hinüber zur Ruine Ruttenstein und nahmen die kommende Abfahrt gerne in Kauf. Unten wartete der lieblichen Ort Rechberg.
Direkt am kleinen See kehrten wir beim Haunschmid ein. Hier gab es nicht nur die Möglichkeit, die Akkus nachzuladen, auch das Essen tat genau das, was es sollte, es schmeckte richtig gut. Fein gespeist starteten wir wieder durch und diesmal kletterten wir den Panoramaweg empor.
Jetzt folgte die breite Straße Richtung Windhaag bis Hiesenbach. Auf einem Wegerl ging es hinunter ins Hiesenbach-Tal und weiter hinaus zur Naarn. Hier fließt der kleine Bach, der am Puchberg oberhalb von Rechberg entspringt und auch den Badesee speist, weiter in die Naarn. Kurz darauf bogen wir in den Berg hinauf nach Allerheiligen ein.
Die Geschwister Wahl legten hier ein atemberaubendes Tempo vor. Anfangs konnten wir ihre Rücklichter noch sehen, doch wenig später waren sie nur noch Punkte am Horizont. Günther musste seinen alten Akku schonen und war trotzdem schneller und auch Heidi fuhr vergnügt den Berg hinauf. So wurde mir nach und nach klar, dass ich als einziger wirklich mit mir und dem Anstieg kämpfte. Es war nicht dramatisch, eher dieses ehrliche „jetzt wird’s ernst“-Gefühl. Irgendwann war ich aber dann auch oben und es begann unsere Abfahrt hinunter nach Kriechbaum. Der Weg führte kurvenreich durch die wunderschöne Landschaft unterhalb von Allerheiligen. Ein Bacherl begleitete uns bis zum Kettenbach und wir radelten hinein nach Kriechbaum. Es kam noch einmal Gegenwind dazu, teils kräftig auf der langen Geraden bei Schedlberg. Da hat es uns nochmal einiges abverlangt, doch am Ende erreichten wir Hohensteg. Noch ein letzter Anstieg und dann trennten sich unsere Wege wieder. Es war eine super Ausfahrt, Radlwetter vom Feinsten. Eine Landschaft, die man nicht nur durchfährt, sondern die man förmlich im Kopf mitnimmt. Kein Verkehr, keine Hektik, und diese wunderbare Radl-Gemeinschaft, bei der sich Gespräche und Pausen so natürlich anfühlen. Die 63 km mit 1334 Höhenmetern vergingen fast zu schnell, und so hat die Tour uns einfach nur beschenkt. Danke dass ihr dabei wart.
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